Digital Asset Management BLOG

Medienneutrale Datenhaltung im DAM-System - wie geht das?

Ein oft ungenutztes Potential für Zeit- und Kosteneinsparungen ist die medienneutrale Datenhaltung. Dabei werden die Dateien nur einmal unter besten Bedingungen für die uneingeschränkte Verwendung in Print, Web und Video zentral vorgehalten.

Ein Bild für alle Fälle

Welche Bedingungen muss ein Bild denn nun erfüllen um sich "medienneutral" nennen zu dürfen?
Es muss als Ausgangsbasis für alle von Ihnen genutzten Kommunikationskanäle dienen können. Solche Kanäle sind beispielsweise:

Print

  • Katalog / Broschüre
  • Datenblatt / Preisliste
  • Presse / Zeitungsdruck
  • Messerückwand / Event-Rollup
  • ...

Internet

  • monitorfüllender Hintergrund
  • kleiner Teaser-Ausschnitt
  • zoombare Produktdarstellung
  • Bildeinbettung in E-Mails
  • ...

Präsentation / Video

  • Video / TV-Spot
  • Slideshow / Animation
  • PowerPoint
  • ...

Social Media

  • Twitter
  • Facebook
  • ...

Alle genannten Kanäle stellen unterschiedliche Anforderungen an die Datei, sei es für Print z. B. eine hohe Auflösung und der CMYK-Farbraum oder für Teaser-Bilder im Webauftritt ein Bildauschnitt mit 72er-Auflösung in einer bestimmten Seitenrelation (oft quadratisch), für Bildschirmdarstellung in RGB.

Es versteht sich von selbst, dass das medienneutrale Bild von bestmöglicher Qualität sein muss.

Dabei schleicht sich gerne die Vermutung ein, dass die Print-Version des Bildes die höchste Qualität aufweist und deshalb als Ausgangsformat optimal ist - dem ist nicht so.
Das wir es "die Print-Version" nennen, sagt eigentlich schon alles, sie ist nicht medienneutral sondern, durch den CMYK-Farbraum, "medienspezifisch".

Exkurs: Wie war das noch mal mit den Licht- und den Körperfarben?

Alles was wir sehen ist Licht - in unterschiedlichen Wellenlängen. Aus der Mischung der Farbreize von Rot-, Grün- und Blautönen kann der Mensch ein Bild seiner Umwelt wahrnehmen. Farbreize, die über dieses Spektrum hinausgehen, wie Ultraviolett und Infrarot, kann das menschliche Auge nicht verarbeiten, deshalb können Sie hier vernachlässigt werden.

Das haben wir alle in der Schule gelernt ...

rgb.png

Additive Farbmischung

Die Lichtfarben begründen sich auf den Primärfarben Rot Grün Blau und werden für "selbstleuchtende" Medienträger (z. B. Bildschirme) genutzt. Wo absolut kein Licht leuchtet ist es schwarz. Werden alle Primärfarben auf einen Punkt gerichtet entsteht Weiß.

Alle Aufnahmen, ob analog auf Film oder digital entstehen durch Lichteinfall also in RGB.

cmyk.png

Subtraktive Farbmischung

Die Körperfarben, sind Farben die von "beleuchteten" Trägern (z. B. Printprodukte) zurückgeworfen werden. Sie arbeiten mit den Primärfarben Cyan Yellow Magenta. Hat ein Körper keine dieser Farben ist er für unser Auge weiß. Je mehr der drei Primärfarben "aufgetragen" sind desto dunkler erscheint der Körper. Allerdings erreicht er nie Schwarz. Aus diesem Grund wird Schwarz als Schlüsselfarbe (Key) im Vierfarbdruck hinzugefügt.

Die darstellbaren Farben in RGB haben ein größeres Spektrum als bei der Speicherung in CMYK. Aus diesem Grund ist RGB vorzuziehen.

Aber damit ist das Bild noch nicht "medienneutral", denn auch RGB wird medienspezifisch unterschiedlich dargestellt. 

farbraum.jpg

Es fehlt also noch die Komponente des Ausgabegerätes. An dieser Stelle kommen die ICC-Profile ins Spiel - diese hier in Blog-Post zu erklären würde uns zu weit vom Thema entfernen. Hier seien nur die beliebtesten genannt: Das "eciRGB"-Profil, der von der European Color Initiative entwickelte Arbeitsfarbraum bezieht ein sehr großes Farbspektrum ein und ist somit "medienneutral". Der von Kodak entwickelte "ProPhotoRGB" Farbraum bringt die Abdeckung fast aller wahrnehmbarer Farben. Das weitverbreiteste ICC-Profil ist wohl "sRGB", das seine Medienneutralität aus der Einschränkung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner der Ausgabegeräte bezieht. Dies hilft beim Proof um den realen Bedingungen möglichst nahe zu kommen, ist aber nicht ideal für eine zukunftsorientierte Datenhaltung.

Wenn Sie sich weitergehend informieren möchten, werfen Sie doch mal einen Blick auf die folgenden Websites:
European Color Initiative: http://www.eci.org/de (deutsch)
International Color Consortium: http://www.color.org (englisch)

Was ist das richtige Dateiformat?

TIFF vs. JPEG

Das TIFF (Tagged Image File Format) ist in der Regel unkomprimiert und bietet so eine verlustfreie Speicherung in maximaler Bildqualität. Allerdings hat dies zur Folge, dass die Dateien sehr groß sind und damit auch die Verarbeitung verlangsamen.

Das JPEG (Joint Photographers Expert Group) wird aus diesem Grund in DAM-Systemen bevorzugt. Mit seiner Komprimierung (möglich in unterschiedliche Kompressionsstufen) ist es kleiner als eine vergleichbare TIFF Datei. Festplattenplatz, Dauer des Speicherungsvorganges und Verarbeitungszeiträume werden reduziert. Hinzu kommt, dass das JPEG auch als Standardformat der Digitalkameras genutzt wird.

Auch wenn die Speicherung des Originals, ohne jegliche Bearbeitung den größten Handlungsspielraum bietet, ist die Ablage als RAW innerhalb eines DAM-Systems und damit die Verfügbarmachung für viele unterschiedlich ausgestattet Nutzer, aufgrund der gerätespezifischen Formatierung nicht empfehlenswert.

Auflösung vs. Bildabmessung in Pixeln

Noch ein häufiger Trugschluss - je höher die Auflösung, desto größer das Bild.

Das Bild besteht aus Bildpunkten (Pixeln). Entscheidend für das Bildmaß als Ausgangsbasis für unterschiedliche Verwendungszwecke ist die Anzahl der Pixel horizonal (Bildbreite) und vertikal (Bildhöhe). Je mehr Punkte, desto besser.

Die Auflösung beschreibt wie eng die Pixel zusammenrücken, um für ein bestimmtes Ausgabemedium ein optimales Ergebnis zu erzielen. So ist ein Bild mit 1000 Pixeln Bildbreite auf einem Monitor mit den üblichen 72 dpi (dot per inch) 35,3 cm breit. Für den Druck kommen sich die Pixel näher. Bei 600 dpi ist das gleiche Bild nur noch in 4,2 cm Breite druckbar. Will man bei der Auflösungsänderung die Bildgröße in der Ausgabe erhalten (mit Bildneuberechnung), rechnet das Programm neue Pixel dazwischen. Es erfindet Bildpunkte. Auch wenn die Algorithmen heute gut sind und ständig verbessert werden, leidet die Qualität - z. B. die Schärfe - unter dieser Verfahrensweise.

Soviel zur Technik - aber was ist eigentlich mit dem Bildinhalt?

Da wir uns ja "Potential für Zeit- und Kosteneinsparungen" auf die Fahne geschrieben haben, ist es natürlich aus sinnvoll sich die Bilder mal inhaltlich in Bezug auf Ihrer potenzielle Weiternutzung kritisch anzuschauen.

Die Seele jeder Ordnung ist ein großer Papierkorb.
— Kurt Tucholsky

Was nützt uns das etwas unscharfe Produktbild, mit unbrauchbarem Hintergrund, in einer Reihe eines Messestand-Shoting entstandene Foto - auch wenn es noch so medienneutral ist?

Sehen Sie sich Ihre Bilder genau an und entscheiden Sie welche wirklich die oben geforderte Ausgangsbasis für Ihre Veröffentlichungen sind. Prüfen Sie bei Bildern, die eine Retusche erfordern, weil sie ohne gar nicht genutzt werden können, ob es wirklich sinnvoll ist das Original überhaupt in Ihr DAM-System einfließen zu lassen.

Spielen Sie Varianten nur ein, wenn diese nicht sowieso durch einen automatischen Prozess aus dem Bildbestand erzeugbar sind. Die Formatwandlung ob farbig zu schwarz/weiß oder RGB zu CMYK und Größenskalierung für Ihr Ausgabemedium können Sie jederzeit durch Wahl einer festgelegten Voreinstellung beim Export genau so wieder erzeugen. Der Verzicht auf die Ablage solcher Varianten macht einen großen Vorteil der medienneutrale Datenablage aus!

Fazit

Es ist gar nicht so schwer.
Treffen Sie Ihre Auswahl der "überlieferungswürdigen Bilder" und legen Sie diese im besten Format, d.h.

  • in der größten vorliegenden Bildabmessung (Pixel-Angaben beachten!)
  • als JPEG mit vertretbarer Komprimierungsrate
  • im Erstellungsfarbraum, bevorzugt im ICC-Profil eciRGB

in Ihrem Digital Asset Management System ab.

Wenn Sie sich dann ein paar Gedanken zu den oben genannten Kanälen machen, können Sie für jeden Ihrer üblichen Verwendungszwecke ein Prozess-Profil erstellen und jederzeit auf das passende Format für Ihr Ausgabemedium zugreifen - ganz ohne Dubletten.